UNSERE GESCHICHTE

Seit 1961

1961

WIE ALLES BEGANN

Segelbegeisterte Stuttgarter Studenten konnten in den 50 bis 60er Jahren ihrer Leidenschaft über das ortsansässige Institut für Leibesübungen (IfL) der Universität Stuttgart nachgehen. Fokus lag auf deren Piraten „Schnipp“,  ein Boot mit Gabelpinne, was in den 50er Jahren weit verbreitet war.
Allerdings führte die Charterordnung des IfL-Direktors Schäfer über die Zeit zu einem immer komplizierteren Regelwerk – die berühmte deutsche Gründlichkeit.

Irgendwann war es dann soweit, dass die Studenten ihr Interesse an Schnipp schon Monate voraus brieflich zu bekunden hatten. Da platzte (nicht nur) Hermann Frank der Kragen. Heftigste Diskussionen brachten die beiden Seiten nicht näher, der Konflikt konnte nicht einvernehmlich gelöst werden. Heute muss man sagen: gut so, denn das führte zu einem Ergebnis, dem wir unser heutiges Clubdasein zu verdanken haben. Studenten und Institut trennten sich, und Hermann Frank gründete am 3. Januar 1961 die Akademische Seglervereinigung Stuttgart e.V. Als erstes Mitglied in der Vereinshistorie ist Kurt Jürgensen zu erwähnen. Weitere Gründungsmitglieder: Bebbes (Berthold) Wocher, Hellmuth Gutjahr, Lothar Warich, Mendes (Manfred) Gäng, Rainer Lionel d‘Arcy, Conrad Poppenhusen, Reinhart Rodrian, Hartmut Schulz, Helmut Kast, Günther Barth, Framhard Bender, Diethard Budnik.

1961-1980

DIE ERSTEN JAHRE

DIE ERSTEN BOOTE

Da standen sie nun, die ASVSler: ohne Boot. Und was noch erschwerend hinzukam: ohne Geld. Nicht die besten Startbedingungen für einen Segelverein. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Segelten die wettkampfwilligen Mitglieder zuerst noch mit geliehenen Flying Dutchmans, musste bald ein eigenes Boot her. Hier erklärte sich Herr Frank Senior gemeinsam mit anderen Kreditgebern bereit, den armen Studenten auszuhelfen. Für die sagenhafte Summe von 7.000 DM (Anm. d.R.: für alle, die nach der letzten EU-Währungsreform geboren sind: Deutsche Mark, Währung bis 2002) vollzog sich der Aufstieg in die nächste Bootsklasse. Mit Hilfe der Fremdmittel wurde ein Korsar beschafft, ein etwa 20 Jahre jüngerer, und auch leichterer Bootstyp als der Pirat. Die Gleitjolle erhielt den bezeichnenden Namen „Shanty“ – war das Shanty-Singen doch eine der Leidenschaften der Gründungsmitglieder. Mit einem großen Tauffest mit Kind und Kegel und Lothar Warichs berühmtem „Hadubrand“ wurde der Zuwachs gefeiert. Schon 1962 fand die erste Vereinsregatta in Immenstadt mit Korsaren statt, ein Auftakt für viele weitere.
Da der Erwerb des ersten Bootes auf Kredithilfen beruhte, mussten sich die Studenten etwas einfallen lassen, um ihre Schulden zurückzuzahlen. Nicht zimperlich, verdienten die Studenten das Geld hierfür mit Putzarbeiten am Institut für anorganische Chemie der Stuttgarter Universität. Nach rund zwei Jahren waren die Schulden beglichen.
Auch blieb die „Shanty“ nicht das einzige Boot – im Laufe der Jahre erweiterten Korsare mit den klangvollen Namen „Hadubrand“, „Spiegelei“ oder „Leberkäs“ die Clubjollenpalette.

DIE ERSTEN KURSE

Stand zu Beginn der Vereinsgeschichte noch das Spaß- und Wettkampfsegeln im Mittelpunkt, kam Ende der 60er Jahre die Idee auf, auch anderen Interessierten das Segeln beizubringen. Als Akademische Seglervereinigung sollten natürlich auch Studenten die erste Zielgruppe sein, und so boten die Dozenten ihr Wissen in den Hörsälen der Stuttgarter Universität an. Womit sie jedoch nicht gerechnet hatten, war der starke Andrang. Bis zu 300 Interessenten quetschten sich in die Schulungsräume und standen zur Anmeldung Schlange. Stand zu Beginn der Vereinsgeschichte noch das Spaß- und Wettkampfsegeln im Mittelpunkt, kam Ende der 60er Jahre die Idee auf, auch anderen Interessierten das Segeln beizubringen. Als Akademische Seglervereinigung sollten natürlich auch Studenten die erste Zielgruppe sein, und so boten die Dozenten ihr Wissen in den Hörsälen der Stuttgarter Universität an. Womit sie jedoch nicht gerechnet hatten, war der starke Andrang. Bis zu 300 Interessenten quetschten sich in die Schulungsräume und standen zur Anmeldung Schlange. Die Einnahmen sollten im wahrsten Sinne des Wortes den Grundstein legen für einen weiteren wichtigen Teil der Vereinsgeschichte. Das erstes Clubhaus, das sich im Laufe der Zeit einem stetigen Wandel unterzog.

BAU DES CLUBHAUSES

Bis zum eigenen Clubhaus war es noch ein weiter Weg. Da in den 70ern der Max-Eyth-See umgebaut wurde und die Hütten am See, die zuvor von den lokalen Vereinen genutzt werden konnten, dieser Maßnahme zum Opfer fielen, war der Verein zunächst auf andere Lokalitäten angewiesen.
Die Mitgliederversammlungen mussten in Gasthäusern oder Räumen der Universität stattfinden. Kurse wurden in Zusammenarbeit mit dem IfL durchgeführt (aus einem Protokoll der Mitgliederversammlung vom Sommersemester 1973). Anfang der 70er Jahre fiel dann der Startschuss für das heutige Clubhaus. Die Marinejugend stellte das Grundstück, die ASVS das Gebäude. Man einigte sich auf eine Bebauung in mehreren Abschnitten, wobei der erste Wurf auf 130qm Fläche Gelegenheit für Clubraum und Werkstatt bot. Vieles am Gebäude entstand in Eigenleistung, um auch noch weiterhin Mittel für die Boote und deren Instandhaltung zu haben. Veranstaltungseinnahmen wie die erste Seglerhocketse 1976 halfen bei der Finanzierung der Vereinsküche. Mit Ausbau der Kochgelegenheiten kam auch der Wirtschaftsbetrieb mit den ersten „Hausdienst“-Regeln auf. Außerdem wurde für die gute Optik rund um das Gebäude hart gearbeitet, eine eigens gegründete Gruppe namens KADEUM (Kampf dem Unkraut) sollte für Beseitigung des leidigen Grüns sorgen. Insgesamt entstand in diesem Jahrzehnt ein neues Zuhause für die ASVS.
Mit wachsenden Mitglieder-zahlen und reichhaltigerem Angebot erstarkte jedoch auch die Notwendigkeit, System und Struktur in die Vielfalt zu bringen. So wurden neue Regeln geboren: Charterberechtigungen, Hausordnung, Clubordnung… eine Entwicklung, die notwendig war – jedoch auch aberwitzig, da der Verein ursprünglich gegründet worden war, um eben diesen Dingen zu entgehen. Ende der 70er formierte sich schlussendlich auch der Schifferrat, um dem Verein ein Hochseeschiff zu bescheren. Der Startschuss in eine neue Ära.

ERSTE WETTFAHRTEN

Regatten fanden an den verschiedensten Orten statt, beispielsweise am Bodensee oder auch am Forggensee, oder die jährliche Herbstregatta am Ammersee. Bis in die 70er hinein gab es auch den ersten ASVS-Wanderpokal, der durch viele Hände ging und irgendwann durch einen neuen ersetzt wurde, weil kein Platz mehr für weitere Namen war.

1980 - 2000

EXPANSION IN DEN 80 JAHREN

Die Grundsteine für das heutige Vereinsleben waren gelegt. 1980 einigte man sich auf den Kauf der Odysseus I, einem Taiwan-Klipper CT 42 mit knapp 15m Länge. Somit erweiterten sich sowohl Revier als auch Flotte. Bereits 1983 ging es auf die erste Atlantiküberquerung. Wenn man bedenkt, dass der Verein mit einem Korsar begann, so wuchs der Bootspark bis in die 90er Jahre deutlich an. Es standen den Mitglieder Ende der 80er mehr als 25 Boote zur Verfügung: 3 Vauriens, 4 OK-Jollen, 4 Trainer, 4 Finessen, 3 Korsare, 1 Fam, 3 Helios und mit der Odysseus sogar 1 Hochseeyacht. Der Hausdienst hatte sich etabliert, die CLubzeitung „Bullauge“ erschien mal mehr, mal weniger umfangreich, das Segeljahr war prall gefüllt mit Veranstaltungen zu Lande und zu Wasser. Faschingsfest, Sommerfest, Weihnachts- bzw. Nikolausfeier, um nur ein paar feste Termine zu nennen. Nicht zuletzt zelebrierte man 1991 schon das 30jährige Bestehen!

2000

MIT NEUM BOOTEN IN DIE JAHRTAUSENDWENDE

ODYSSEUS II

Zu Beginn der 90er stand denn auch die Entscheidung für das neue Hochseeschiff, die Odysseus II an, eine Samoa 47, welche in unverwechselbaren Farben bis heute auf den Weltmeeren im Namen der ASVS unterwegs ist. Die Odysseus II wurde nach unseren Vorstellungen gebaut und konnte bereits 1993 getauft werden. Bereits 1995 gings mit dem neuen Hochseeschiff wieder über den Atlantik. Im Oktober 1995 beteiligte sich die Odysseus II mit einer fünfköpfigen Crew an der ARC-Regatta von den Kanaren über den Atlantik. Nach mehreren Törns durch die Karibik und dann entlang der USA-Küste nordwärts kehrte das Schiff nach einer 2. Atlantiküberquerung im Sommer 1996 nach Cuxhaven zurück.

SUTJE

Im Jahre 1994 ging unserer Oldtimer die Sutje (Baujahr 1942) eine 5mR Rennyacht in den Besitz der ASVS über und bekam Ihren Liegeplatz in Romanshorn. Der Klassiker aus dem Jahr 1942, ursprünglich in der dänischen Südsee zu Hause, ist heute unser Kleinod auf dem Bodensee. Jedes Jahr im Winter liebvoll restauriert, wird sie von vielen Vereinsmitgliedern für Wochenendausflüge, den „besonderen“ Urlaub und auf Regatten, wie zum Beispiel der Bodenseetraditionswoche, der Classic Week, …  gesegelt. Auch das erste Motorboot „Sancho Panso“ – was soll ein Segelverein mit einem Motorboot – kam 1996 zu unserem Bootspark dazu und leistete gute Dienst bei der Motorbootausbildung, die ja auch für unsere Ody und Sutje nötig war.

JOLLEN UND KATAMARANE

Auch die Jollen wurden kontinuierlich ergänzt, inzwischen bestand die Jollenflotte aus mehreren Korsaren, drei OK Jollen und verschiedenen Schulungsbooten. 1998 wurde der erste Katamaran vom Typ Hobie16 mit Liegeplatz am Brombachsee angeschafft. Auch ein zweiter Einhandsegler, ein Laser, ergänzte Ende des Jahrtausends unseren Bootspark. Für unsere Jüngsten wurde der Bootspark durch zwei Optimisten ergänzt. Des Weiteren erweiterte die ASVS die Flotte durch „Aphrodite“. Sie war ein knallrotes Gummischlauchboot mit Motor zur Unterstützung bei dem Segelausflügen mit den Kindern.

2000 - 2010

DAS ERSTE JAHRZEHNT IN DIESEM JAHRHUNDERT

PENELOPE

Unsere dritte Yacht die „Penelope“ kam dann 2003 dazu. Auf den ersten Blick beeindruckt die Penelope durch ihre klaren Linien, ihren geräumigen Innenraum und das einladende Cockpit. Von den Werten der Serie Sun Odyssey durchdrungen kombiniert die Penelope perfekt Leistung, Sicherheit auf See und Komfort. Sowohl im Cockpit als auch am Steuer, beim Ankern wie auf See kann man diese seegängige Yacht ganz und gar genießen. Sie ist seefest und sehr leicht zu steuern. Mit den zwei Kabinen, dem großen, sehr funktionellen Salon und der unglaubliche Helligkeit in den Innenbereichen zeigt sich die Penelope einladend und clever. Ihr Liegeplatz ist Gohren am Bodensee, wo sie darauf wartet von den Vereinsmitgliedern gechartert zu werden. Daher nutzen sie viele Mitglieder in den Sommermonaten, entfliehen mit ihr dem Alltag und genießen die Freude an einer Tour mit der Familie.

NEUE JOLLEN

Auch die Ausbildungsjollen bekamen Zuwachs und wurden 2009 durch zwei „RS Vision“ die Etesien am Brombachsee und die Yalka am Max-Eyth-See ergänzt. Da die restlichen Ausbildungsjollen schon etwas in die Jahre gekommen waren, wurde 2012 beschlossen diese durch 5 neue Flying Sailor zu ersetzten.  Auch die Katamaranflotte wurde 2007/9 durch zwei TOPKAT K3 erweitert, wobei einer seinen Liegeplatz am Brombachsee fand. Die „Sancho Panso“ für die Motorbootausbildung wurde durch die „Telemacho“ – der Sohn von „Odysseus“ und „Penelope“ – ersetzt.

ab 2010

UND HEUTE...

Für jedes Jahrzehnt gibt es große und kleine Highlights. Viele nützliche, humorvolle, interessante, aber auch neue Informationen finden sich unter anderem in den zahlreichen Ausgaben des Bullauges, unserer Vereinszeitschrift. Nicht alle haben ihren Platz auf dieser Seite gefunden.

Mit Hilfe engagierter Mitglieder ist der Verein zu dem geworden, was er heute ist. Wir leben immer noch von der Einsatzfreude aller, und allein der donnerstägliche Clubabend mutet zu einem wöchentlichen Großfamilientreffen an. Anfängliches Chaos endet immer damit, dass die guten Ideen auch umgesetzt werden. Letztendlich haben alle dasselbe im Sinn: die Liebe und Leidenschaft zum Segelsport. Auch dieser Artikel besteht aus Beiträgen von Mitgliedern (Festschrift, Artikeln aus dem Bullauge, Erzählungen, Präsentationen).
Heute besticht die ASVS durch einen ausgewogener Bootspark, interessante Reviere, intern gewachsenes Know-How mit Skippern und Segellehrern, einer fundierten Ausbildung sowie einem aktiven und buntem Clubleben.

Und damit zum Schlusswort: Gut, dass sich Herrmann Frank mit dem IfL-Direktor gestritten hat!